La Fenice

Schaff das Tagwerk meiner Hände / Hohes Glück, daß ich’s vollende! / Laß, o laß mich nicht ermatten! / Nein, es sind nicht leere Träume: Jetzt nur Stangen, diese Bäume / Geben einst noch Frucht und Schatten“ (Johann Wolfgang Goethe Hoffnung Gedichte 1827)

Der Glanz einer vergessenen Schönheit, die hinter den Dingen ruht, dehnt sich aus. Weites Land. So weit das Auge reicht. Und in ihrer Tiefe ein Feuer, dessen Funken die Schönheit des Tales erahnen lassen. Hitze, die versenkt; still und warm lodert es. Unberührt. Eine Klarheit in sich. Ruhend und doch so beweglich. Will’s berühren. Es erinnert mich an die Vergänglichkeit des Seins.

Und ich schreibe ein paar Zeilen an Gevatter Tod: „Godot, warte nicht auf mich. Meine Flügel reichen weit. Weit über dein Totenreich hinaus. Ich erhebe mich. Ganz sanft schwingen meine Flügel über das Leben hinweg. Bin auferstanden, um zu leben. Das kann mir keiner nehmen. Geburt und Tod – ein ewiges Kreiseln. So lange, wie mich die Schwingen tragen.“

„Siehst du, so könnte es sein“, antwortet Godot. Er wartet nicht. Ich muss schon selbst die Augen öffnen. Hineinblicken, ins Licht. Da ist Leben. Und eine klare Vision davon erstreckt sich übers dunkle Tal hinaus. Über Wälder und Seen hinweg. Bis ins Universum hinein. So weit das Auge reicht. „Du musst selbst gehen. Wähle deine Wege“, sagt Godot.

Nein, überlege ich. Er wird nicht warten. Diese Wege muss ich schon selbst gehen. So weit, ist der Traum. So groß. Er gebärt sich, als wolle er gar nicht zu mir passen. Viel zu groß, wie ein Schuh, der nicht meiner ist. „Du musst wachsen, um hineinzupassen“, flüstert eine Stimme. Könnte meine eigne sein. Vielleicht die, die ich so oft nicht hören wollte.

„Erwartung ist wie ein Dämon. Und Angst der Feind des Zaubers. Sie nimmt in dir“, sagt diese Stimme zu mir. Ich glaube ihr. Kein Morgen. Kein Gestern. Nur das Heute, als messbare Größe. Und ein weites Land, so voller Träume. Sie werden aus der Schönheit der Sterne geboren. Nachts sind sie sichtbar. Man muss nur hinschauen. Und ihre Botschaft verstehen. Sie reden nicht. Sagen aber dennoch so viel.

Und der Liebe leichte Schwingen tragen mich. Darüber hat bereits Shakespeare geschrieben. Und erst jetzt begreife ich: Feuer, Sanftmut und der klare Blick – sie begegnen sich an der Gabelung. Dort, wo der Weg das Ziel ist und das Glück auf der Straße liegt. Anders ist kein Vorwärtskommen in Sicht. Und die Möglichkeiten wachsen wie Blumen am Wegesrand.

„Jetzt hast du den Sinn verstanden“ , spricht die Stimme und wird lauter. Jene, die so voller Kraft spricht. Das Feuer verschlingt indes die Angst. Und das Auge schaut noch weiter, als ich es mir je zu träumen gewagt habe. Gevatter Tod winkt aus der Ferne, denn ich bin auferstanden von den Toten. Zruückgekehrt ins Reich der Schönheit. Dorthin, wo sich die Lebendigkeit im Leben offenbart und die Wege das Ziel in sich tragen. Mögen sie auch noch so gewaltig sein. Und ich noch so klein. Ich will sie beschreiten. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es zwischen den Zeilen. Denn alles ist möglich.

1 Kommentar zu „La Fenice

  1. oh, wie schön die Worte, so auch die Bilder – zum Sattsehen und Nochmehrwollen ❤

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