Release

Es gibt Tage, da möchtest du nicht nicht sein, wer du bist. Aber jemand Anderes willst du auch nicht sein. Nicht der im Auto neben dir. Nicht die, die an der Ampel steht und auf irgendwas schaut. Du willst einfach nur aus deiner Scheiß Haut fahren. Aber das geht nicht. Die klebt an dir, wie ein verdammter Kaugummi am Schuh. Und du stehst da, im Regen. Und weiß nicht, wohin mit dir.

Und dann kommt der Moment, in dem du realisierst: Nichts wird mehr so sein, wie es mal war. Das heißt aber nicht, das du losgelassen hast. Du schaust dich bloß um. Begreifst, dass alles geblieben ist, wie es war. Nur du selbst hast dich verändert. Äußerlich. Und irgendwie auch in dir drinnen. Und dann beginnst du zu laufen. Bloß fort, denkst du. Und drehst dich doch nur im Kreis. Machst dich selbst zum Hamster. Lebst auf Schienen, ohne voranzukommen.

Und plötzlich passiert etwas in deinem Leben. Etwas setzt sich in Gang. Und dich in Bewegung. Du spürst es, schon während es passiert. Und weißt, die Dinge werden sich abermals ändern. Haben es längst getan. Hast es bloß nicht sofort gemerkt. Und du kapierst: Du hast die Wut und den Schmerz losgelassen. Irgendwie. Vielleicht darüber geschrieben und es verbrannt. Hast zugesehen, wie alles in Flammen aufging. Buchstäblich und wortwörtlich.

Viel zu lange hast du daran festgehalten. Oder dich versteckt. Wolltest nicht wissen, wer du bist. Warst nie ganz Da. Nie ganz Dort. Und am wenigsten im Hier. Doch plötzlich kommst du raus aus dir. Denn die Angst verschwindet aus deinem Leben. Du bist du. Gewinnst an Kontur. Eine, die aus den Unschärfen was Sichtbares macht. Du lässt frei. Lässt das Wunder geschehen. Das längst begonnen hat. Sich aber erst zeigt, wenn alle Zweifel beseitigt sind.

Dann endlich weißt du: Du bist. Und mit dir verbunden. Spürst jeden Augenblick in deinem Leben. Nimmst die feinsten Dinge wahr. Hörst die Fische atmen. Siehst die Eleganz des Igels. Kannst endlich weiterkommen. Bist aus dem Rad ausgestiegen. Sagst dem Hamster Lebewohl. Hast dir verziehen, das es so war, wie es war. Und gehst weiter. Denn du bist da. Und liebst.

4 Kommentare zu „Release

    1. … vielleicht gerhört das irgendwie dazu, zum Leben …

      Einen lieben Gruß sende ich dir

      Gefällt 1 Person

  1. Heidi Päulgen 21. August 2019 — 21:56

    Wow, ultimativer Aufbruch zum „Ich“

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, das denke ich auch … Liebste Grüße und ganz lieben Dank für deine Rückmeldungen. Ich freue mich immer total, von dir zu hören 🙂

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