Same same but different

Es gibt Tage, an denen sich die Gewissheiten formen, wie Seifenblasen aus Wassser und Seife. Sie steigen auf, sind klar erkennbar. Stehen direkt vor dem Auge – leuchtend, wie eine Reklametafel an einer Häuserwand. Fasst man sie an, platzen sie. Hinterlassen einen sanften Knall und kleine, feine Spuren.

Ich sitze am Schreibtisch, die Hand betrachtend, die diese Worte schreibt. Immer klarer zeichnet sich das Bild: Ein Bild von mir. Nicht mehr nur schwarz auf weiß. Oder anders gesagt: Getrocknete Tinte auf Papier. Nicht mehr nur ein diffuses Gefühl zwischen den Zeilen. Vielmehr ein Mensch aus Fleisch und Blut – im Spiegel der Zeit erkennbar. Im Raum zu sehen. Ich blicke mir selbst ins Angesicht. >>Wer bin ich<<, frage ich längst nicht mehr. >>Ich bin<<, spricht es aus mir. Eine Stimme, klar und deutlich; sie gehört zu mir. Es gibt keine Ungewissheit mehr über das Sein, weil sich mein Geist – also das „Ich bin“ – mit meinem Körper verbunden hat. Wir sind zum Synonym geworden für das Leben. Seltsame Gedanken! Aber sie gehören einem Montagmorgen an, der mich grausbilbrig anstarrt, aus einem Gesicht, dass dem Wechselspiel aus Licht und Schatten angehört. Es trägt Spuren von Lebendigkeit, von Sinn und Identität. Ich sehe mich, wie ich bin. Sehe den Ort dahinter. Ich bin kein Schall und Rauch. Kein einzelnes Wort, dass sich in einem Text versteckt, den es zu interpretieren gilt. Ich bin die Gesamtheit meiner Gedanken – ebenso wie das körperliche Kleid, das mich durch’s Leben trägt. Tag für Tag. Schritt für Schritt. Ich bin ebenso die Hand, die schreibt. Und ich bin der Inhalt meines Textes, der sich auf’s Blatt ergießt, wie ein strömender Fluss in die Weite – zwischen Tälern und Anhöhn. Ich bin die Erinnerung darin, die Sehnsucht und das Gefühl. In Summe also ein metaphorisches Bestreben, Sinn ins Handeln, ins Wirken zu legen. Am Ende steht die Gewissheit schwarz auf weiß nicht nur zu Papier, sondern auch ins Gesicht geschrieben, wie feine Linien. Jene, die den Fingerzeig geben: Ja, du bist. Du lebst. Auf dem Papier und in der greifbaren Realität eines situativ fassbaren Raums. Ortsgebundene Erscheinung und schweifender Geist: Da und Dort. Überall eins. Aber ganz besonders mitten im Leben.

1 Kommentar zu „Same same but different

  1. Ja, Du bist, … wunderbar!!

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